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Bielefeld(WB). Nur das Köpfchen der prächtigen Marienfigur fand sich in den Ruinen der 1944 zerstörten Altstädter Nicolaikirche. Jetzt, mehr als 70 Jahre später, wurde die Skulptur rekonstruiert – und ist Mittelpunkt der neuen »Historischen Ecke« in der Kirche.

 
 

»Wir wollen hier nicht nur die Geschichte der Figur, sondern auch die Geschichte unserer Kirche erzählen«, erklärt Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher. Und so beleuchten fünf große Steintafeln unter anderem die Historie der 1236 gegründeten Kirchengemeinde, aber auch die Auswirkungen der Reformation und die Zerstörung der ältesten Kirche der Stadt.

Die »Historische Ecke«, die morgen Abend eröffnet wird, befindet sich links vom Altar. »Das ist ein Gemeinschaftsprojekt«, betont Piepenbrink-Rademacher. Beteiligt sind daran neben seiner Ehefrau Imke als Initiatorin auch Michael Falkenstein, der das Ausstellungskonzept lieferte, der Historiker Dr. Hans-Jörg Kühne sowie der Steinmetz Uwe Jauer.

Das in den Trümmern gefundene Marienfigur-Köpfchen gehörte zum Sakramentsschrein, der vermutlich etwa im Jahr 1420 entstand. Die Christusfigur, die damals neben der Marienfigur stand, ist bis heute sogar komplett erhalten geblieben. Das Marienköpfchen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg dem früheren Altstädter Pfarrer Hans Deppe übergeben. Dessen Frau Lieselotte und dessen Tochter Christa Meyer-Stork verwahrten zunächst das Köpfchen. Es landete schließlich in den 90er Jahren im Tresor der Altstädter Kirchengemeinde. Imke Rademacher war es, die den Grundstein für das Comeback der Marienfigur legte. Sie übergab das Köpfchen der Düsseldorfer Künstlerin Mercedes Neuß. Diese rekonstruierte mit Gips und dem Sandstein-Köpfchen die Figur.

»Dann haben wir uns gefragt: Was können wir aus der Geschichte der Figur machen?«, erinnert sich Imke Rademacher. Für Ausstellungsexperte Michael Falkenstein sei die Konzeption eine »besondere Herausforderung« gewesen. Man müsse immer bedenken, dass Gotteshäuser eine besondere Höhe hätten und der Blick der Besucher oft nach oben gehe, sagt er. Aber eine Ausstellung müsse trotzdem »auf Augenhöhe der Menschen« sein.

Die wuchtigen Tafeln, die die Marienskulptur umrahmen, sind ein Hingucker. »Das wertet die Kirche auf«, meint auch Imke Rademacher. Aber sie betont auch, dass erst ein privater Sponsor das Projekt ermöglicht hat. Das Gemeindemitglied wolle aber nicht namentlich erwähnt werden.

Die »Historische Ecke« solle nicht nur einen Rückblick bieten, betont Pfarrer Piepenbrink-Rademacher. Denn eine Tafel beschäftigt sich mit der Gegenwart der Kirche. Zu finden ist dort ein Kirchen-Bild des Hobbyfotografen Uwe Schmale, der es mit seinen Bielefeld-Fotos bereits mehrmals in die ARD-»Tagesthemen« schaffte.